Substrat für Aroideen — die HORTUS-Mischung Mai 2026
Heft № 21, Mai 2026. Volumenanteile, Korngrößen, Vorwässerungs-Protokolle. Was 70 % mineralisch wirklich heißt und warum reine Torferde nach drei Monaten kollabiert.
Wer Aroideen hält, hält Epiphyten oder Hemi-Epiphyten. Die Araceae der feuchten Tropen — Monstera, Philodendron, Anthurium, Alocasia, Syngonium, Rhaphidophora — wachsen in der Natur entweder direkt am Stamm anderer Bäume oder in einer dünnen Humusschicht aus zersetzendem Falllaub, Moosen und Astwerk. In keinem Fall wachsen sie in einer geschlossenen, sich verdichtenden Erdschicht. Genau das aber ist das Substrat, in dem die meisten neu gekauften Zimmerpflanzen aus dem Bau- oder Pflanzenmarkt verkauft werden: feiner Schwarztorf, allenfalls mit etwas Perlit, pH zwischen 5,8 und 6,5 — bei Lieferung. Nach drei Monaten Gießens kollabiert die Struktur zu einer kompakten Masse, der Sauerstoffaustausch an der Wurzel bricht ein, und die Pflanze beginnt zu schwächeln.
Wir mischen in der HORTUS-Redaktion seit dem Frühjahr 2024 eine eigene Aroideen-Mischung, die wir hier erneut publizieren — mit den Anpassungen, die zwei Jahre Praxis ergeben haben.
Anforderung an ein Aroideen-Substrat
Vier Eigenschaften sind nicht verhandelbar: erstens Luftigkeit — der Anteil grober Partikel mit Lufträumen zwischen ihnen muss hoch sein, damit Sauerstoff an die Wurzel kommt; zweitens Drainage — Wasser muss zügig ablaufen können, Staunässe ist der häufigste Tod tropischer Aroideen; drittens leicht saurer pH zwischen 5,5 und 6,5; viertens moderate Wasserspeicherung — die Pflanze soll zwischen den Gießintervallen feuchte, nicht nasse Verhältnisse vorfinden.
Die HORTUS-Standardmischung
Volumenanteile, gemessen vor dem Vermischen, in Liter-Maßbecher:
40 % Pinienrinde, grob 8–15 mm. Hauptstruktur der Mischung. Wir beziehen sie überwiegend von deutschen Anbietern (Plantura, Floragard, Compo Sana hat die grobe Variante kürzlich aus dem Sortiment genommen). Pinienrinde baut sich langsam ab, gibt Tannine in den ersten Wochen frei und säuert das Substrat leicht. Sie bietet die rauhe Oberfläche, die Luftwurzeln zur Verzweigung brauchen.
20 % Bims, 4–8 mm. Mineralisch, leichtvulkanisch, in Deutschland aus Eifel-Vorkommen erhältlich. Bims hat eine hohe innere Porosität — er speichert Wasser im Korn und gibt es langsam wieder ab, ohne dass die Außenfläche dauerhaft nass ist. Eine Alternative ist Lava-Granulat 4–8 mm, das in der Wasserführung etwas schlechter, in der Drainage etwas besser ist. Perlit funktioniert ebenfalls, ist aber leichter und schwimmt beim Gießen gerne nach oben — wir bevorzugen das schwerere Bims.
15 % Akadama, harte Qualität. Die japanische Tonerde, ursprünglich aus dem Kanto-Becken bei Tokio, wird hart gebrannt und liegt in 4–8 mm Korngröße im Fachhandel (Bonsai-Lieferanten) bei rund 30 Euro pro 14-Liter-Sack. Akadama puffert den pH leicht in den Bereich um 6,0 und ist ein hervorragender Wasserspeicher, der auch die feinsten Wurzelhaare nicht erstickt. Wer Akadama nicht beziehen will, kann sie durch zusätzlichen Bims ersetzen, verliert aber den pH-Puffer.
15 % Kokosfaser-Chips. Nicht zu verwechseln mit Kokoseinstreu, das viel zu fein ist. Chips sind grob gerissene Stücke von 1–3 cm, weich, langsam zerfallend, leicht wasserspeichernd. Sie ersetzen die organisch-weiche Komponente, die früher mit Torf abgedeckt wurde. Kokos ist nachhaltiger und strukturstabiler.
10 % Wurmhumus. Nährstoffquelle. Wir setzen frischen, getrockneten Wurmhumus (etwa von Wurmkiste oder lokalen Erzeugern) ein — er gibt Stickstoff, Phosphor und Mikronährstoffe langsam frei und enthält eine aktive Mikroflora, die organische Reste in der Mischung mit-zersetzt.
In Summe: rund 70 Prozent mineralisch (Pinienrinde rechnen wir hier funktional zu „strukturierend nicht-feinkörnig”, auch wenn organisch), 30 Prozent organisch. Wer für tropische Anthurium-Hybriden oder Philodendron gloriosum mischt, kann den Bims-Anteil auf 25 Prozent erhöhen und den Wurmhumus auf 5 Prozent senken — die Bodenkriecher mögen es trockener als die Kletterer.
Mischungs-Protokoll
In der Praxis arbeiten wir nach folgendem Ablauf, der zwei Stunden braucht und die Mischung sofort einsatzbereit macht:
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Pinienrinde einweichen. Trockene Rinde frisch aus dem Sack ist hydrophob — sie nimmt im ersten Gießen kaum Wasser auf. Wir geben die Rinde in eine Wanne, übergießen mit warmem Wasser und lassen sie zwei Stunden ziehen. In dieser Zeit lösen sich auch die ersten Tannine, die wir vor der Verwendung abschütten.
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Bims und Akadama spülen. Beide enthalten Feinstaub aus dem Produktions- oder Brennprozess. Ungespült verschlämmt der Staub später die Zwischenräume und neutralisiert die Drainage-Funktion. In einem Sieb unter fließendem Wasser, bis das Wasser klar abläuft.
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Mischen. In einer großen Wanne alle fünf Komponenten in den Volumenanteilen einfüllen, mit den Händen oder einer kleinen Schaufel gleichmäßig durchwenden. Die Mischung sollte leicht feucht sein — beim Zusammendrücken in der Faust dürfen einzelne Tropfen austreten, aber nicht Wasser ablaufen.
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Lagern oder direkt einsetzen. Fertige Mischung in einem luftdurchlässigen Eimer lagert wochenlang, wenn sie nicht austrocknet. Direkt einsetzen ist immer besser.
Düngung
Eine Aroideen-Mischung mit 70 Prozent mineralischem Anteil enthält wenig Reserve-Nährstoffe. Wir düngen daher bei jedem Gießen mit Volldünger in sehr niedriger Konzentration: 1:8.000 bis 1:10.000, also rund 0,1 ml eines NPK-Flüssigdüngers (zum Beispiel Hakaphos Soft Spezial) auf einen Liter Gießwasser. Dieser Ansatz — bekannt als „weekly weakly” — vermeidet osmotischen Stress und liefert konstante, niedrige Nährstoffzufuhr, wie sie der epiphytische Standort in der Natur bietet.
Alternative Mischungen — bewertet
Lechuza Pon. Vollmineralisch, 100 Prozent anorganisch, mit eingearbeitetem Langzeit-Dünger. Funktioniert, braucht aber ein anderes Düngeregime und eignet sich besonders gut für Hydrokultur-ähnliche Untersetzer-Bewässerung. Für klassische Tongefäße mit Drainage ist die HORTUS-Mischung biologisch dynamischer.
Reines Sphagnum-Moos. Hervorragend für Bewurzelung von Kopfstecklingen oder für die kurzfristige Rehabilitation gestresster Pflanzen. Als Dauer-Substrat zu nass; Wurzeln entwickeln sich anders als in luftiger Mischung und müssen beim Umtopfen umgewöhnt werden.
Reine Torferde oder generische „Pflanzenerde”. Säuert anfangs gut, zerfällt aber nach acht bis zwölf Wochen Gießens zu einer kompakten, sauerstoffarmen Masse. Nicht empfehlenswert für Aroideen. Auch nicht in Notfällen.
Plantura Citrus- und Mediterranerde. Eine annehmbare Übergangslösung für Anfänger:innen, die noch keine Komponenten einzeln beschaffen. Etwa 50 Prozent strukturreicher Anteil, akzeptabler pH. Nicht optimal, aber besser als pure Universalerde — für die erste Monstera deliciosa aus dem Pflanzenmarkt im ersten halben Jahr in Ordnung.
Wann umtopfen?
Die HORTUS-Mischung hält bei korrekter Pflege zwei bis drei Jahre, bevor der organische Anteil sich merklich abgebaut hat und das Volumen schrumpft. Umtopf-Indikatoren: durchgängig sichtbare Wurzeln am Drainage-Loch, Gießwasser läuft ohne Versickerung sofort durch (Substrat hat keine Speicherwirkung mehr) oder sichtbare Verdichtung. Wir topfen idealerweise im Frühjahr um, kurz bevor die Wachstumsphase beginnt — Mai ist genau der Monat dafür.
— Redaktion HORTUS, Heft № 21, Mai 2026